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Bastei Lübbe AG: Außerplanmäßige Abschreibung

 

Die Bastei Lübbe AG (ISIN DE000A1X3YY0) gibt bekannt, dass die mit hohem finanziellen Aufwand entwickelte Streaming-Plattform für Leseinhalte oolipo die erwarteten und notwendigen Nutzerzahlen bislang bei Weitem nicht erreicht hat. Gleichzeitig verlief die Suche nach neuen Investoren, um die notwendige Weiterentwicklung der Plattform voranzutreiben, bisher erfolglos. Im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat hat sich der Vorstand der Bastei Lübbe AG daher entschlossen, keine weiteren Mittel in das Projekt zu investieren und eine außerplanmäßige Abschreibung vorzunehmen.

Diese nicht liquiditätswirksame Abschreibung auf die immateriellen Vermögenswerte an der Tochtergesellschaft oolipo AG wird das Konzern-EBIT im 2. Quartal des laufenden Geschäftsjahres in einer Größenordnung von rund drei Millionen Euro außerordentlich belasten. Der Vorstand prüft in den nächsten Monaten die Möglichkeit, die entwickelte Technologie anderweitig zu verwenden oder zu verwerten.

Das Vorstandsteam der Bastei Lübbe AG unter Führung des Vorstandsvorsitzenden Carel Halff wird in den kommenden Monaten die strategische Ausrichtung des Konzerns insgesamt detailliert auf operative Chancen und Risiken hin analysieren und in enger Abstimmung mit dem Aufsichtsrat die Geschäftsstrategie fortschreiben bzw. anpassen.

Die Bastei Lübbe AG ist eine international agierende Mediengruppe mit Sitz in Köln. Die Geschäftstätigkeit fokussiert sich auf die Entwicklung und Lizensierung von Inhalten, die physisch und digital weltweit vertrieben werden. Zum Kerngeschäft des Unternehmens gehören im Segment „Buch“ das klassische Verlagsgeschäft sowie die periodisch erscheinenden Rätsel- und Romanhefte. Mit seinen insgesamt zwölf Verlagen und Imprints hat die Unternehmensgruppe derzeit rund 3.600 Titel aus den Bereichen Belletristik, Sach- sowie Kinder- und Jugendbuch im Angebot. Neben der Produktion von tausenden Audio- und eBooks gehören zum Unternehmensbereich „Digital“ auch die Beteiligungen an der Selfpublishing-Plattform „BookRix“ und dem renommierten Game-Publisher „Daedalic Entertainment“. Vervollständigt wird die digitale Wertschöpfungskette der Bastei Lübbe AG durch die Beteiligung am Onlineshop „beam-ebooks.de“.

Im Geschäftsjahr 2016/17 erzielte die Bastei Lübbe AG einen Jahresumsatz von rund 146,3 Millionen Euro. (go)

Pressefreiheit, Innovation, Kreativität – Bilanz des 2. Kongresstages



Janina Kugel, Chief Human Resources Officer und Vorstandsmitglied von Siemens, eröffnete den zweiten Tag des Publishers´ Summit (7. November) mit einem Blick in die Zukunft der Arbeit. Führung habe sich verändert. Sie bedeute heute, täglich verschiedene Rollen anzunehmen. „Mit hierarchischen Strukturen werden Unternehmen die heutigen Herausforderungen nicht mehr stemmen können.“ Die junge Generation werde künftig ganz neue Berufe ausüben. Flexibilität und Abgrenzung werde immer wichtiger.

Kinsey Wilson, Berater des CEO und Präsidenten bei der New York Times, beschäftigte sich mit den Lesern: Wie vermittelt man ihnen Content so, dass sie dafür bezahlten. Wichtig sei, die Leser und ihre Interessen immer besser zu kennen, ihre Bedürfnisse zu verstehen und entsprechenden Content zu entwickeln.

Unter dem Motto „Innovation is creativity with Execution!“ zeigte Glenn Gore, Chief Architect von Amazon Web Services, wie Unternehmen Cloud Service nutzen können. „Automatic Translation und Augmented Reality werden die nächsten zwei großen Dinge“, so Gore. Er denkt an die digitale Assistentin „Alexa“ und die zahlreichen Möglichkeiten der Cloud: Amazons zahlreiche intelligente Systeme erschließen dem eigenen und anderen Unternehmen immer neue Geschäftsfelder. Um neue Geschäftsfelder ging es auch Stefan Rühling, Sprecher Deutsche Fachpresse. Der Bedarf an hochwertigen Fachinformationen spiele gerade in Zeiten von Fake News eine große Rolle. Dagegen sei das neue Gesetz zum Urheberrecht für die Wissenschaft ein massiver Eingriff in den unabhängigen Fachjournalismus.

Wolfgang Blau, Präsident Condé Nast International, trug zur Positionsbestimmung des Journalismus bei. Er fragte sich, ob Deutschland es sich medial erlauben könne, im europäischen Kontext nicht wahrgenommen zu werden. Es sei eine journalistische Pflicht, die Welt so zu beschreiben, wie sie (positiv) sein könnte. Der Journalismus müsse sich gegen Populisten wenden, die das gesamte Wertesystem aus den Angeln heben wollten.

In der Journalistendiskussion ging es um kritischen Journalismus und das Thema „Allianzen“. Man kam zu dem Schluss, europäische Allianzen verschiedener Medien seien oft sinnvoll. Europa sollte enger zusammenarbeiten – als Alternative zu den nationalistischen Trends.

Manfred Braun, Geschäftsführer Funke Mediengruppe, ging in seinen Big Points auf digital versus Print ein. „Papier und Digital wird immer ein sowohl als auch bleiben.“ Wichtig sei es, gute Geschichten zu erzählen, und dafür benötige man mutige Verleger, neugierige Journalisten und belastbare, kreative Manager. Und Produkte, die sich schneller an den Marktveränderungen anpassen. „Die Leser haben sich nicht verändert. Sie sind genauso rücksichtslos wie früher.“

Zum ersten Mal bot der Publishers' Summit 2017 Rechts- und Vertriebsexperten aus Verlagen sowie allen Interessierten das neue Format Deep Dive Sessions an, die am Ende des Kongressprogramms stattfanden. Die erste Session „Zukunft Abo – das wollen Leser!“ stellte die Ergebnisse der neuen Abonnement-Studie des VDZ und der Deutschen Post vor. Die zweite Session bot einen ausführlichen Einblick in die neue EU-Datenschutz-Grundverordnung, die ab 2018 alle Verlage betreffen wird. In der dritten Session wurde den Teilnehmern der Trendreport „Chatbots & Digitale Assistenten“ vorgestellt.(go)

Gemeinsames Handeln von Verlagen und Marktpartnern

 

Julia Becker, Gesellschafterin und zukünftige Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe, unterstrich in ihrer Rede beim Pubslihers`Summit in Berlin (6. und 7. November) die Position von Verlagen in Familienbesitz. Sie seien wichtiger denn je für die Medienlandschaft in Deutschland mit ihrem nachhaltigen Denken über Generationen hinweg. Außerdem bildeten sie „ein starkes Gegengewicht zu den öffentlich-rechtlichen Medien genauso wie zu den großen US-amerikanischen Media-Giganten“. Becker fuhr fort: „Wir müssen unsere Zielgruppen genau kennen, wir brauchen ein Sensorium für gesellschaftliche Entwicklungen, um frühzeitig relevante Themen zu erkennen, zu verarbeiten und weiter zu entwickeln.“ Becker bemängelte das Abgrenzungsdenken vieler Verlage. „Zersplittert und zerstritten haben wir keine Chance gegen die Internet-Giganten und einheimischen TV-Sender. Zusammenarbeit ist nicht die Lösung für alles, aber die notwendige Voraussetzung für vieles.“

Philipp Welte, Vorstand Hubert Burda Media und neuer Vorsitzenden des Vorstandes des Fachverbandes Publikumszeitschriften, sagte, es gebe mehr, was Verlage verbinde als was sie trenne, die Verlage müssten mit ihren Ressourcen effizienter umgehen und ihre Kräfte als Gattung konzentrieren, auch durch Kooperationen. Beispielhaft sei die große Koalition von sechs Verlagen, die sich zusammengetan haben, um für eine Modernisierung des Vertriebssystems zu kämpfen: Burda, Bauer, Funke, Klambt, Axel Springer und Spiegel, und neuerdings Gruner + Jahr. Diese wollten gemeinsam für die Medienvielfalt in Deutschland kämpfen und das Grosso-System weiterentwickeln, krisenresistent und zukunftsfähig machen.

OWM-Chefin Tina Beuchler erweitert das Verständnis des gemeinsamen Handelns um die Werbewirtschaft. „Wir wollen den Dialog suchen und entsprechende Produkte anbieten.“ Die Chancen für Magazine seien ihre entschleunigende Wirkung, die Qualität und die Zielgruppenschärfe. Von den US-Konzernen forderte sie: Transparenz, Nachweis für Werbewirkung und mehr Fairness und Anpassung an den deutschen Mediakonventionen. Sie plädierte für ein gemeinsames medienpolitisches Vorgehen von Werbewirtschaft und Verlagen. (go)
 

Neugewählter VDZ-Präsident Dr. Rudolf Thiemann: „Wirtschaftlich starke Presse ist wichtig für die Gesellschaft.“

 

„Eine marktwirtschaftliche und damit staatsunabhängige Presse ist eine notwendige Bedingung unserer freien und demokratischen Gesellschaft.“ Dies betonte VDZ-Präsident Dr. Rudolf Thiemann in seiner Eröffnungsrede beim VDZ Publishers' Summit 2017. Wie erfolgreich marktwirtschaftlich finanzierter Journalismus sei, hinge allerdings davon ab, wie erfolgreich Zeitschriftenverlage die eigenen gedruckten und digitalen journalistischen Produkte verkauften. „Hier ist auch die Politik gefragt, die ausreichende Rahmenbedingen schaffen sollte, um den Verlagen einen Handlungsspielraum zugeben“, so Thiemann.

Der VDZ-Präsident begrüßte die Erleichterung verlagswirtschaftlicher Kooperationen, die zu einer Stabilisierung der Geschäftsentwicklung vieler Verlage beitragen könnte. Auch das Eintreten der Bundesregierung für die reduzierte Mehrwertsteuer der digitalen Presse in Brüssel, sei ein wichtiger Schritt. Allerdings müsse die Umsetzung dieses Projektes eine erste wichtige Aufgabe der neuen Bundesregierung sein. Und: Für den Erhalt einer freien Presse in Deutschland seien weitere politische Schritte erforderlich. Die Anerkennung der Presseverleger als Inhaber eigener Rechte im Urheberrecht sein überfällig und im digitalen Zeitalter unverzichtbar, die zukünftige Bundesregierung müsse das Verlegerrecht in Brüssel unterstützen und das deutsche Leistungsschutzrecht durchsetzbar ausgestalten.

Die sogenannte E-Privacy-Verordnung der EU gefährde die Angebote der Fach- und Publikumsverlage im Netz. Sie entzögen vor allem den offenen Verlagsangeboten im Internet die rechtliche Grundlage für Geschäftsmodelle. Profitieren würden Internetbrowser, die als Gatekeeper in ihren Datenschutzmenüs darüber entschieden, wer überhaupt noch Daten zu wirtschaftlichen Zwecken verarbeiten dürfe. Die Bundesregierung müsse deutliche Korrekturen des EU-Vorschlags verlangen.

„Das Abonnementgeschäft ist für Zeitschriftenverlage ein wichtiger Finanzierungszweig“, so Thiemann weiter. Diese starke Säule dürfe nicht durch eine Überregulierung des Telefonmarketings gefährdet werden. Thiemann forderte außerdem, auf Regelungen zur Plattformneutralität hinzuwirken, die sicherstellen, dass journalistisch-redaktionelle Angebote ein Recht auf diskriminierungsfreien Zugang zu marktdominanten Plattformen erhalten.

Zum Thema Werbefreiheit sagte Thiemann, neue Werbezwangshinweise oder Werbeverbote würden die Medienvielfalt einschränken und gleichzeitig den Bürger bevormunden. „Wir begrüßen die vorläufige Entscheidung der Ministerpräsidenten, den Internetauftrag von ARD und ZDF nicht noch weiter auszudehnen“, betonte Thiemann. Insbesondere das Verbot presseähnlicher Angebote der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten dürfe nicht gelockert werden. Öffentlich-rechtliche Telemedien müssten von der digitalen Presse unterscheidbar bleiben.

Professorin Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und Medien, bekannte sich in ihrer Rede zu einer freien, wirtschaftlich unabhängigen Presse: „Journalistische Vielfalt ist besser als populistische Einfalt“. Private Medienangebote seien wichtig. Sie kritisierte die aktuelle E-Privacy-Verordnung, die nicht so bleiben könne. Zudem versprach sie auch, sich in Brüssel für Verlegeranliegen im Rahmen der Urheberrechtsreform einzusetzen. Pressefreiheit und Medienvielfalt auf der Grundlage privater Medienangebote seien für sie ein wichtiges Thema in den Koalitionsverhandlungen.

90 Prozent der Bürger halten hochwertige Medien für das Funktionieren unserer Demokratie sehr wichtig, so ein Ergebnis der neuen VDZ-Allensbach Studie. Diese stellte die Geschäftsführerin Professorin Dr. Renate Köcher vor. „Fake News, fehlende Mittel für Recherche sind allerdings Gefahren für guten Journalismus“, so Köcher. Köcher forderte: „Der „Umfeld-Gedanke“ muss restauriert werden.“ Im Netz würde zu sehr auf vordergründige Aufmerksamkeit gesetzt, nicht auf die Qualität der Umfelder. (go)

Finesse goes Berlin!

 

Am 10. November erscheint das Magazin Finesse mit einer eigenen Regionalausgabe in der Hauptstadt. Finesse Berlin widmet sich ab sofort zweimal im Jahr den exklusiven Seiten der Stadt und präsentiert die neuesten Trends aus den Bereichen Gourmet, Fashion, Living und Travel. Finesse ‐ Das Gourmet & Lifestyle‐Magazin ist künftig bei exklusiven Berliner Vertriebspartnern sowie unter www.lieblingswelt.de erhältlich. Hochwertige Marken, ausgesuchte Reiseziele, erlesene Rezepte und Geschichten über die kreativen Stars der feinen Küche sind das Markenzeichen von Finesse – verpackt in Hochglanz und einen edlen Look.

Die Premierenausgabe entführt die Leser und Leserinnen in die Küche von Florian Glauert, Chefkoch im Restaurant „Duke“ des Hotels Ellington Berlin, und präsentiert drei exklusive Rezepte zum Nachkochen. Auch Cynthia Barcomi hat zur Erstausgabe drei Backkreationen beigesteuert und in der Inside‐Strecke gibt es Einblicke in die luxuriösen Traditionshäuser wie das Adlon oder das Hotel de Rome.

Geschäftsführer der magazin media:nord gmbh, Johannes Jungheim, sagt: „Wir glauben an Print, da in Zeiten digitaler Reizüberflutung der Wunsch nach Entschleunigung durch das haptische und entspannende Leseerlebnis eines Magazins bestens bedient wird.“

Vor zwölf Jahren begann die Geschichte des Magazins mit Food‐, Fashion‐ und Lifestyle‐Themen. Mit der nationalen Gourmet‐Ausgabe (sechs Mal im Jahr) und den beiden Regionalausgaben in Hamburg (vier Mal im Jahr) und auf Sylt (drei Mal im Jahr) ist Finesse heute ein fester Bestandteil der Magazinbranche. Das Magazin erscheint in der magazin media:nord gmbh in Rendsburg, die zur Gruppe der NOZ Medien und mh:n Medien gehört. (go)

ARD startet Audiothek

 

ARD-Wortschätze sind von jetzt an in der neuen Smartphone-App ARD-Audiothek zu finden. Sie startet nach der Idee vor einem Jahr offiziell am heutigen 8. November anlässlich der ARD-Hörspieltage in Karlsruhe. Rund 560 Senderinhalte sind abrufbar. Die Menge kann später aufgestockt werden.


Unter den Angeboten sind Hörspiele, Dokus oder auch Comedys der ARD-Radiosender sowie des Deutschlandradios, auch wenn dieses eine eigene Audio-App gestartet hat. Nachrichten sollen keinen Eingang in die App finden, durchaus aber Hintergründe oder Interviews zu aktuellen Themen wie etwa gerade den Paradise Papers, erklärte Nathalie Wappler Hagen, Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission und MDR-Programmdirektorin bei der Vorstellung des Projekts in Berlin. Bislang wurde die App in der Open-Beta-Phase schon 13.000 Mal heruntergeladen, die ARD hofft auf 50.000 Downloads in den ersten drei Monaten. Für Wappler Hagen kooperieren die ARD-Sender vor dem Hintergrund des „tiefgreifenden Reformprojekts, wo wir können“. Radio Bremen hat die Projektleitunginne, der Bayerische Rundfunk hat die Programmierung übernommen und der SWR ist inhaltlich zuständig.

Die ARD-Verantwortlichen sehen kein Problem für die neue App, weder mit den Privaten noch mit den Verlegern. Die zeitliche Begrenzung für bestimmte Inhalte in der Mediathek könne hier durch einen Download „umgangen“ werden, da es sich um privaten Gebrauch handele. Kriterien für die Aufnahme in die App sind unter anderem die Länge - also keine O-Ton-Schnipsel -, keien Konkurrenz zur Tagesschau sowie bestimmte vorhandene Makrodaten. Dazu gehören ein Bild zur Illustration des Angebots und die Verschlagwortung.
Jan Weyrauch, Programmdirektor von Radio Bremen und Projektleiter der ARD-Audiothek, sprach von einer Art „Netflix für die Ohren“. Die Idee sei den Machern mit dem Revival des Podcasts gekommen. Nötig sei mit Ausnahme des jungen Angebots Funk ein Sendebezug. Für die Audiothek seien aber zunächst auch Web-Only-Angebote möglich, um so die Verweildauer zu verlängern.

Noch vor der Ausstrahlung im Radio bietet die Audiothek als online first ein exklusives, nicht nur auf Musik beschränktes Campino-Interview vom WDR, die Hörspielreihe „Der Paartherapeut“ mit Peter Lohmeyer von Radio Bremen und die Reihe „Living my dream“ vom Hessischen Rundfunk über Deutsche, die nach Kalifornien ausgewandert sind. Die reine App-Entwicklung hat nach ARD-Angaben durch die Inhouse-Arbeit nur 200.000 Euro gekostet. Der Senderverbund sieht durch das neue Angebot eine Riesenchance für Langformate und für „mehr Applaus“ und Bekanntheit für seine Audioangebote. Die App soll „unter sorgsamen Umgang mit Daten“ personalisiert und weiter ausgebaut werden. (gp)  

BDZV: Gewerkschaften verkennen Situation der Verlage

 

„Die Gewerkschaften verkennen vollkommen die Situation der Verlage.“ Das sagte der Verhandlungsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Georg Wallraf, heute zu den Gehaltsvorstellungen des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), der bei seiner Verbandstagung in Würzburg 4,5 Prozent mehr Einkommen für die angestellten und freien Journalisten an Tageszeitungen gefordert hatte. Es müsse, so Wallraf, angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen für Pressemedien in Deutschland der Arbeitnehmerseite klar sein, dass diese Forderung über den Möglichkeiten der Verlagsunternehmen liege.

Im Vorfeld der Verhandlungen über einen neuen Tarifvertrag für Journalistinnen und Journalisten forderte der DJV darüber hinaus, Volontärsgehälter und Einstiegsvergütungen überproportional anzuheben. „Damit signalisiert die Gewerkschaft, dass unser tradiertes Tarifgefüge in sich nicht mehr stimmt und den aktuellen Verhältnissen in den Redaktionen angepasst werden muss“, führte Wallraf weiter aus. Er betrachte dies als Auftrag für die kommende Verhandlungsrunde, das Tarifgefüge einer Überprüfung zu unterziehen. (go)

Neuer Web-Auftritt von HIT RADIO FFH

 

Die Artikel übersichtlich untereinander angeordnet, größere Fotos, einfach zu blätternde Nachrichten- und Playlist-Slider, Wetter-Warnungen schon auf der Startseite und zu jeder Wettervorhersage das passende Wolken-Foto von FFH-Wetterexperte Martin „Wetter“ Gudd. FFH.de im frischen Look und responsivem Layout – die Seite passt sich optimal auf mobile Displays an – dies sind nur einige der Änderungen: In den vergangenen sechs Monaten hat das HIT RADIO FFH-Digital-Team den Internetauftritt des hessischen Privatsenders komplett neu gestaltet und programmiert.

„FFH.de noch bedienerfreundlicher, moderner, frischer zu machen, war das Ziel“, so FFH-Geschäftsführer und Programmdirektor Hans-Dieter Hillmoth. Die Artikel auf der Startseite sind jetzt im Themen-Stream untereinander angeordnet, wie von vielen anderen Portalen, etwa Facebook und Instagram, bekannt und gelernt. Schon auf der Startseite ist zu sehen, welcher Hit zuletzt lief und mit dem Playlist-Slider lässt sich zu anderen Uhrzeiten blättern. Außerdem ist es möglich, sich jeden Titel anzuhören. Neu sind die smarten Service-Kreise, die die Farbe und Position ändern: wenn es mehr Staus (FFH-Stauampel), weniger freie Plätze in Parkhäusern, Schulausfälle oder mehr Verspätungen am Frankfurter Flughafen gibt. Staucams von hessischen Autobahnen gibt es ab sofort als Videos auf dem Desktop. Ebenfalls neu sind die Moderatoren- und Team-Seiten mit vielen Fotos. Zusammengefasst auf einer Seite sind nun die Votings auf FFH.de, zum Beispiel die viel diskutierten „Ist es ok?“-Fragen aus der FFH-Morningshow. „Neu für unsere FFH-Reporter ist, dass sie von unterwegs Artikel veröffentlichen können. Möglich ist dies durch die Erweiterung des CMS TYPO3 auf den Workflow der Redaktion", so Roger Hofmann, Leiter FFH-Digital, der mit Online-Redakteuren, Grafikern und Programmierern des Senders dem Online-Auftritt in Eigenregie den umfassendsten Relaunch seit 2011 unterzogen hat.

Mit 4,9 Millionen Visits und 63 Millionen Seitenaufrufen (Quelle IVW, September 2017) für Homepage und kostenlose App ist der FFH-Online-Auftritt einer der meistbesuchten im Bundesland. Die Seite wurde am gestrigen Sonntag im laufenden Betrieb umgestellt.

Der hessische Radio-Marktführer HIT RADIO FFH (2,1 Mio. Hörer pro Tag, 457.000 Hörer pro Stunde) gehört, wie harmony.fm und der meistgehörte junge Sender in Hessen, planet radio, zur Radio/Tele FFH in Bad Vilbel bei Frankfurt am Main. (go)

BDZV-Präsident Döpfner: Öffentlich-rechtliche Sender und private Verlage brauchen Überlebensperspektive in der digitalen Welt

 

Der Präsident des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Dr. Mathias Döpfner, hat sich am heutigen 6. November in Berlin gegen den Vorwurf verwahrt, dass Rundfunk-Journalisten von den Zeitungen „diskriminiert“ würden. „Immer wieder betonen wir in Interviews, Reden oder Beiträgen, welch wichtige Rolle das öffentlich-rechtliche Fernsehen für den Qualitätsjournalismus in Deutschland spielt, wie sehr wir das duale System bejahen und erhalten möchten und vor allem, wie groß unser Respekt vor den Leistungen der Journalistinnen und Journalisten von ARD und ZDF ist“, schrieb Döpfner in einem Offenen Brief an die Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Redakteursausschüsse (AGRA). Diese hatte in einer „Frankfurter Erklärung“ beklagt, von Kolleginnen und Kollegen in Zeitungsredaktionen als Staatsfunk bezeichnet und in ihrer Arbeit verunglimpft zu werden.

Der BDZV-Präsident machte hingegen deutlich, dass es sich hier um ein Missverständnis handele: Für die privaten Zeitungsverlage, die ebenso wie die öffentlich-rechtlichen Sender einen wichtigen Beitrag zur journalistischen Vielfalt und Qualität leisteten, sei es unverzichtbar, neben Werbeerlösen auch Erlöse aus digitalen Abonnements zu erzielen. Online-Journalismus sei andernfalls langfristig nicht zu refinanzieren. „Wenn kein nachhaltig erfolgreiches digitales Geschäftsmodell etabliert werden kann, wäre bei weiter rückläufigem Printgeschäft ein Verlagssterben, eine Reduzierung der Vielfalt die Folge. Wenn dann irgendwann quasi nur noch öffentlich-rechtliche Online-Zeitungsangebote zur Verfügung stünden, dann und nur dann würde eine Art ‚Staatspresse‘ entstehen, ein Monopol, das von zentral erhobenen Gebühren lebte und unter der Aufsicht von Politikern aller Parteien stünde.

Dieses Konjunktiv-Szenario als Vorwurf misszuverstehen, die Journalisten der ARD seien ‚Staatspresse‘, ist böswillig. Gemeint war es so nie“, versicherte Döpfner und bot an, den Dialog mit den Autoren der Frankfurter Erklärung auch persönlich und öffentlich fortzusetzen. Denn: „Es geht um viel.“ (go)

Rede von VDZ-Präsident Dr. Rudolf Thiemann heute auf dem VDZ Publishers` Summit:
 

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Grütters,

Meine sehr verehrten Damen und Herren,

sehr verehrte Kolleginnen und Kollegen!

Herzlich Willkommen hier in Berlin zu unserem jährlichen Branchentreffen. In gewisser Weise hat das schon gestern begonnen. Gestern hat mich die Delegiertenversammlung zum neuen Präsidenten der Deutschen Zeitschriftenverleger im VDZ gewählt.

What you see is what you get.

Ich danke für Ihr Vertrauen. Ich habe die Wahl sehr gerne angenommen. Nicht nur weil sie mit so einer großen Zustimmung stattgefunden hat, sondern auch, weil das Amt des VDZ –Präsidenten eine besonders reizvolle Aufgabe ist. Zeitschriften nämlich sind Kulturgut. Auch deshalb freuen wir uns ganz besonders darüber, dass die Staatsministerin für Kultur und Medien den Weg zu uns gefunden hat. Herzlichen Dank, Frau Prof. Grütters, dass Sie sich gerade jetzt die Zeit genommen haben

Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger ist gut aufgestellt.
Das heißt: seinen Mitgliedern verpflichtet, indem Haupt- und Ehrenamtliche sich den aktuellen verlagswirtschaftlichen und politischen Themen ebenso widmen wie den Themen, die schon sichtbar vor uns liegen. Ihnen allen, in den Landesverbänden oder hier in Berlin, gilt unser Dank.

Bereits vor 15 Jahren lud der VDZ zu Verlegerreisen ins Silicon Valley ein, vor 10 Jahren schon startete er den Digital Innovator Summit. Das Thema Pressefreiheit spielt seit Jahren eine immer größere Rolle auf der Agenda des VDZ. Nicht nur vor dem Hintergrund demokratischer Defizite selbst in EU-Staaten oder solchen, die dabei sein wollen, sondern auch vor dem Hintergrund des tiefgreifenden Wandels der Medienlandschaft durch die fortschreitende Digitalisierung.

Wie kaum ein anderer Verband mobilisiert der VDZ seine Mitglieder. Über 350 engagierte Verleger und Verlagsmanager bringen sich mit ihrem Wissen und Know-How ein – eine Schatzkammer der deutschen Verlagswirtschaft.

Wir leben von der Geschlossenheit unserer Mitglieder, vom Vertrauen und dem Willen zur Zusammenarbeit und Solidarität. Das ist kein Selbstzweck, sondern die beste und günstigste Voraussetzung, um unsere Ziele zu erreichen.

Die Silicon Valley – Giganten, die großen Agenturnetzwerke, private und öffentliche rechtliche Sender, die Politik in Berlin und Brüssel sollten den Willen aller Verlage spüren, sich geschlossen für Branchenziele und faire Wettbewerbsbedingungen einzusetzen.

Unter dem Dach des VDZ vereinen sich Publikumszeitschriften, Fach- und konfessionelle Zeitschriften. Traditionell verbinden wir damit Printmedien, die es in dieser Art schon lange gibt, und zwar lange bevor irgendjemand die Begriffe Internet und Digitalisierung, geschweige denn Disruption kannte.

In der Vergangenheit hat es häufig genug apokalyptische Visionen zur Entwicklung von Print gegeben. Übertreibungen helfen niemals weiter. Besser ist es, sich ein Bild zu machen von den Zuständen, wie sie sind. Tatsache ist, dass sich die Werbemärkte zugunsten des Internets (bestimmter Unternehmen, dazu später) verschoben haben. Tatsache ist, dass Vertriebserlöse gegenüber den Erlösen aus Werbung ein größeres Gewicht erlangt haben. Tatsache ist auch, dass die meisten unserer Mitgliedsverlage seit Jahren mit wachsendem Erfolg jenseits ihrer Printerlöse neue Geschäftsfelder erschließen, und zwar analog und digital.

Verlage, die es mit einer klaren Zielgruppe zu tun haben, tun sich auf diesem Gebiet leichter: Veranstaltungen und Kongresse, Weiterbildungsseminare on- und offline. Datenbank gestütztes Targeting in hochqualifizierte Zielgruppen, Lead Generierung, Content-Marketing, Corporate-Publishing, Research Services, um nur einige Beispiele zu nennen. Von Reisen, Möbelmessen und Weinauktionen ganz zu schweigen. Das Transaktionsbusiness blüht.
Und worauf ist das zurückzuführen? Auf das einzigartige Markenvertrauen, das der Leser im Laufe seiner Beziehung zur Marke mit Print im Kern aufgebaut hat, ihn zum Nutzer nicht nur des Lesestoffes, sondern zahlreicher anderer Angebote macht.

Natürlich steht das Printprodukt für die meisten von uns noch im Mittelpunkt, weil es der Ausgangspunkt ist für alles, was uns die digitale und technologische Entwicklung als Herausforderung einerseits und Chance andrerseits beschert. Mit anderen Worten:
Print ist (jedenfalls gilt das noch) nicht alles, aber ohne Print ist alles nichts. Und das heißt: Content

Noch immer werden Milliarden Hefte pro Jahr verkauft, treffen Leser Kaufentscheidungen, weil sie genau diese Zeitschrift lesen wollen, gehen Abonnements ein, weil sie Zeitschriften wie einen guten Freund betrachten, der regelmäßig vorbeikommt. Es sind die Redakteure und Journalisten, die dieses Vertrauen erwirtschaften und mit jeder Ausgabe vor der Verpflichtung stehen, dieses Vertrauen zu rechtfertigen.

Information und Unterhaltung, sind die Kernbegriffe unseres Geschäfts. Politisch kritische Titel, rein unterhaltende, auch solche, die die Fantasie ihrer Leser vorwegnehmen. Titel, die Informations- und Nutzwert in den Mittelpunkt stellen, und die zahllosen Titel, die das Leben der Menschen in jeder einzelnen Facette ihres Tuns und Wissen Wollens und in ihrer Haltung (das gilt insbesondere für konfessionelle Titel) begleiten und bestätigen.

Deutschland ist der dichteste Zeitschriftenmarkt der Welt. Das liegt ja einerseits an der grundsätzlich sehr guten Angebotsinfrastruktur (Grosso-System und Zustellabdeckung). Andrerseits an der unerschöpflichen Lust der Menschen, neue Dinge auszuprobieren, die spiegelbildlich immer und sofort zu neuen Medienlösungen, insbesondere zu neuen Titeln führen.

Ich möchte herausstreichen, dass alle diese Inhalte gesellschaftlich relevant sind. Weil sie nämlich die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit widerspiegeln. In ihrem Informationsbedürfnis, ihrem Verhalten und ihrem Lebensgefühl. Und weil sich diese Inhalte ständig und stetig mit den Menschen verändern, die auf diese Weise ihre freie Persönlichkeit entfalten.
Keiner würde abstreiten, dass freier und unabhängiger kritischer Journalismus Voraussetzung für das Funktionieren unserer Demokratie ist. Ich behaupte allerdings, dass dies ebenfalls für alle anderen Formen des Publizierens gilt. Gutes Publizieren erschöpft sich nicht allein in politisch kritischem Journalismus. Es umfasst die gesamte Bandbreite unserer Produkte. Das Lebensgefühl als Baustein der freien Entfaltung der Persönlichkeit ist für eine freiheitliche Gesellschaft ebenfalls essentiell.

Wir können stolz sein auf unsere Verlage, die es verstanden haben, diese Vielfalt auf die Beine zu stellen, und zwar in privatwirtschaftlicher Weise, das heißt, auf eigene Kosten und mit Risiko finanziert, und das in hoch intensivem Wettbewerb.

Politische Rahmenbedingungen

Deshalb ist es umso wichtiger, dass die politischen Rahmenbedingen unser Tun vor dem
Hintergrund unserer gesellschaftlichen Relevanz fördern und nicht weiter beschränken:
Durch Werbeverbote und -beschränkungen, die den Bürger entmündigen, durch unterschiedliche Besteuerung analoger und digitaler Inhalte, durch Verbraucher- und Datenschutzregeln, die den Bürger ebenfalls entmündigen und in krassem Gegensatz stehen zum Verhalten der Menschen auf digitalen Plattformen.

Google und Co

Es gibt eine Demarkationslinie, die nicht neu, aber in ihren Auswirkungen immer sichtbarer wird.
Auf der einen Seite die europäischen Medienanbieter und Werkvermittler. Auf der anderen Seite die Suchmaschinen und Megaplattformen. Schon heute ziehen diese Unternehmen und deren Töchter an die 75 Prozent der digitalen Werbegelder auf sich. Das Wachstum schöpfen sie fast komplett ab. Es zeichnet sich nicht ab, dass dieser Trend sich umkehren wird. Es zeichnet sich auch nicht ab, dass ein neuer Player auf den Markt tritt, der alles ändern wird. Und wenn tatsächlich, zu wessen Gunsten denn?

Die alten Verhältnisse kehren nicht zurück. Ich glaube auch nicht daran, dass Unternehmen ihre Werbeausgaben in Zeitschriftentitel lenken, um im Bewusstsein ihrer gesellschaftlichen Verantwortung die Demokratie zu retten. Unternehmen platzieren Werbung dort, wo sie effektiv und effizient ist.

Wir müssen deshalb unsere Stärken beschreiben, begründen und kommunizieren. Editorial Media ist das Stichwort: Verlässliche Navigation durch die Informationsflut, gute Inhalte als Werbeumfeld, verlässliche Rückbindung zu Marken und Menschen.

Es ist doch kein Wunder, dass sich die Diskussion um Hatespeech und Fake News an den sogenannten sozialen Netzwerken entzündet hat. Vor diesem Hintergrund glaubte der Justizminister, ein Gesetz auf den Weg bringen zu müssen, das die Jurisdiktion über die Frage, was erlaubt sei, in den privaten Raum verlagert. Hier geraten Dinge ins Rutschen, hin zu einer staatlich regulierten privaten Meinungskontrolle.

Unsere Gesellschaft gründet auf eine freie wettbewerbsorientierte Rechtsordnung. Eine solche Gesellschaft ändert sich, wenn Quasimonopole oder echte Monopole entstehen und solche Unternehmen ihre Marktmacht missbrauchen. Das tun sie nämlich ungeniert, solange sich niemand rührt. Wenn der VDZ und andere nicht dahinter her gewesen wären, hätte es auch keine Rekordstrafe gegen Google durch die Europäische Kommission gegeben.

Erwartungen an die Politik, resp. Neue Bundesregierung

Lassen Sie mich die Erwartungen der Verleger in diesem Prozess zusammenfassen;
Und dies vor dem Hintergrund

der Dominanz der US-amerikanischen Plattformen und
der existentiellen Aufgabe der Verleger, ihre geschaffenen Werke auch verkaufen zu können.

Wir brauchen im europäischen Rechtsrahmen ein eigenes Verlegerrecht, das die Vermarktung unserer Inhalte wirksam unterstützt. Davon unabhängig muss das deutsche Leistungsschutzrecht durchsetzbar ausgestaltet werden.

Wir begrüßen das Eintreten der Bundesregierung für den reduzierten MwSt.-Satz auf digitale Presse und hoffen, dass sie ihren Einfluss geltend macht, um auch noch den letzten Zauderer im Ministerrat zu überzeugen.

Die derzeitigen Vorschläge zur E-Privacy Verordnung in Brüssel sind ein Schlag ins Gesicht der Verleger. Sie entziehen insbesondere den offenen Verlagsangeboten im Internet weithin die rechtliche Grundlage für ihre Geschäftsmodelle. Die ohnehin fragile Werbefinanzierung offener journalistischer Angebote wird im Kern bedroht. Profitieren werden Internetbrowser, die als neue Gatekeeper in ihren Datenschutzmenüs darüber entscheiden, wer überhaupt noch Daten zu wirtschaftlichen Zwecken verarbeiten darf.

Profitieren werden auch die großen Log-In Plattformen die bei einem Regulierungsregime zu Lasten der Verleger ihre Größenvorteile noch effektiver ausnutzen können.
Wenn Menschen sich heute auf den Megaplattformen freiwillig mit all ihren Daten öffnen, ist es widersinnig, einen Verbraucherschutz einzurichten, der den Verlagen die Gewinnung von und den Umgang mit Daten erschwert oder gar verbietet.
Wir erwarten von der neuen Bundesregierung, dass sie sich im Spannungsfeld Verbraucher- und Datenschutz ideologischem Unsinn widersetzt. Es drohen irreversible Schäden für die Zukunft der freien Presse.

Zur Telefonwerbung: Ein wesentlicher Teil der Abonnements und damit der Vertriebserlöse kommen telefonisch zustande. Weitere Einschränkungen der Telefonwerbung gefährden diese tragende Erlössäule der freien Presse massiv.

Wir brauchen ferner eine Plattformregulierung, die einen neutralen Zugang journalistischer Medieninhalte, ihrer Auffindbarkeit und ihrer Vermarktung sicherstellt. Mit anderen Worten: Trittbrettfahrer dürfen nicht belohnt werden.

Partner und Allianzen

Mit diesen Erwartungen stehen wir nicht alleine. Unsere medienpolitischen Forderungen decken
sich mit denen der Zeitungsverleger. VDZ und BDZV stehen, auch in der Auseinandersetzung um den Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk Seite an Seite. Die Länder müssen im Rundfunkstaatsvertrag sicherstellen, dass öffentlich-rechtliche Telemedien von der digitalen Presse unterscheidbar bleiben. Dazu muss das Verbot pressähnlicher Angebote effektiv ausgestaltet werden.

Die RTL-Chefin Anke Schäferkordt hat auf den Medientagen vor zwei Wochen in München im Wesentlichen dieselben Forderungen erhoben. Sie hat zudem betont, dass wir Medienanbieter, Wettbewerber oder auch nicht, im selben Boot sitzen und über Partnerschaften und Allianzen anders nachdenken müssen als bisher.

Publishers Night

Heute Abend, meine sehr verehrten Damen und Herren, im Rahmen der Publishers Night werden wir wieder bedeutende Persönlichkeiten mit der „Goldenen Viktoria“ auszeichnen. Darunter wird auch sein die saudi-arabische Menschenrechtsaktivistin Ensaf Haidar. Sie kämpft unermüdlich für die Freilassung ihres Mannes, der Blogger Raif Badawi, der wegen Verunglimpfung der Religion in Saudi-Arabien bereits seit fünf Jahren in Haft sitzt.

Überall auf der Welt sterben Journalisten in Ausübung ihres Berufes. Vor drei Wochen wird Daphne Gurana Galizia durch eine Autobombe ermordet. Und das auf Malta!! Sie hatte zuvor die maltesische Regierung in Bedrängnis gebracht, indem sie Verbindungen zu den Vorgängen in den Panama Papers herstellen konnte.

Die UNESCO hat jüngst gemeldet, dass in den Jahren 2006 bis 2016
930 Journalisten wegen ihrer Arbeit getötet wurden. Die Hälfte der Opfer starb in Ländern, in denen kein Krieg herrscht. Nur 10 Prozent der Fälle wurden aufgeklärt.
Überall auf der Welt werden Journalisten an der Ausübung ihres Berufes gehindert, werden drangsaliert, unter abenteuerlichen Vorwänden verhaftet, werden faire Verfahren verweigert.
Stellvertretend möchte ich nennen:

Mesale Tolu, eine deutsche Journalistin. Sie wird mit ihrem minderjährigen Kind von türkischen Behörden verhaftet. Verhaftet und eingesperrt werden ebenfalls der WELT-Korrespondent Deniz Yücel und der Menschenrechtsaktivist Peter Steudtner, der glücklicherweise inzwischen freigekommen ist. Gegen Deniz Yücel, seit neun Monaten in Haft, ist noch immer keine Anklage erhoben worden.

Sie alle stehen für Freiheit. Freiheit, die wir brauchen, die wir schätzen, die wir nicht verlieren wollen. Daran müssen wir immer wieder erinnern. Und dafür, meine sehr verehrten Damen und Herren, sollten wir Verleger weiter so geschlossen einstehen.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

 

 

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