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„Fernsehanfänger sehen anders fern als Erwachsene“

Claude Schmit und Steffen Kottkamp über die ganz junge Zielgruppe

75 Minuten täglich schaute der durchschnittliche Vorschüler im Alter von drei bis fünf Jahren 2011 fern. Das sind 45 Minuten mehr, als Experten als tägliches Maximum empfehlen. Für Kinderfernsehsender sind die Vorschüler eine wichtige Zielgruppe, die mit ihren Bedürfnissen ernst genommen werden muss. textintern  hat bei Claude Schmit, Geschäftsführer von Super RTL, und Kika-Programmgeschäftsführer Steffen Kottkamp nachgefragt, welche Bedeutung die Zielgruppe für sie hat und was ein gutes Programm für die „ganz kleinen“ auszeichnet.

 

Claude Schmit, Geschäftsführer Super RTL

textintern Welche Bedeutung hat die Zielgruppe der Drei- bis Sechsjährigen für Super RTL?

Schmit Wir leben in einer Medienwelt – die meisten Kinder machen heute ihre ersten TV-Erfahrungen, bevor sie das Schulalter erreichen. SUPER RTL möchte Kindern aller Altersgruppen ein gutes Programm anbieten, das ihrem Entwicklungsstand gerecht wird.

textintern Warum brauchen Kinder in dem Alter überhaupt ein eigenes Angebot im Fernsehen?

Schmit Unser TOGGOLINO-Vorschulprogramm ist speziell auf die Bedürfnisse und kognitiven Fähigkeiten der jüngsten Zuschauer ausgerichtet. So stellen wir sicher, dass Kinder nicht überfordert werden. Wichtig ist, dass sie gemeinsam mit ihren Eltern fernsehen bzw. dass diese bewusst auswählen, welche Sendungen für ihre Kinder geeignet sind.

textintern Was kennzeichnet gutes TV-Programm für die Zielgruppe?

Schmit Formate wie „Bob der Baumeister“ oder „Die Oktonauten“ führen Kinder mit vielen kleinen Spannungsbögen behutsam durch das Geschehen. Gutes Vorschulprogramm begleitet die Kinder bei wichtigen Entwicklungsschritten – sie gleichen ihre Fähigkeiten mit denen der TV-Protagonisten ab und erkennen individuelle Fortschritte. Während Kinder vor dem Bildschirm sitzen, gewinnen sie wichtige Erkenntnisse über die Welt, in der sie leben.

Steffen Kottkamp, Programmgeschäftsführer Kika

textintern Welche Rolle spielen Fernsehen und Internet im Leben der Drei- bis Sechsjährigen?

Kottkamp Die heute Drei- bis Sechsjährigen sind so genannte digital natives. Im Gegensatz zu ihren Eltern wurden sie hineingeboren in eine digitale Medienwelt: Bereits mehr als 73,3 Prozent der Bevölkerung sind regelmäßig online (ARD/ZDF-Online Studie 2011).
Bereits Vorschulkinder sehen regelmäßig fern. In Deutschland sind es bei den Drei- bis Fünfjährigen durchschnittlich immerhin 73 Minuten am Tag (Quelle: AGF/GfK-Fernsehforschung) Dabei steigt die Fernsehnutzung unter den Jüngsten schnell an und bereits mit dem Alter von vier bzw. fünf Jahren schauen schon über 95 Prozent fern. Bestimmte Fernsehsendungen werden zum festen Ritual im Tagesablauf junger Familien, bei denen soziale Bindungen gestärkt werden. Die Wichtigkeit des gemeinsamen Fernsehens wird uns regelmäßig sowohl von Kindern als auch von den Eltern berichtet. Mit dem abendlichen Sandmann bei KiKA machen die meisten Kinder ihre erste Fernseherfahrungen. Aber auch morgens sehen bereits rund 170.000 junge Zuschauer fern.
Ganz wichtig sind auch schon für die Kleinsten die Möglichkeiten sich beteiligen zu können. Tausende von Zuschriften, Bildern und Bastelarbeiten belegen das jeden Tag aufs Neue.
Bei KiKANiNCHEN, dem multimedialen Vorschulangebot bei KiKA, lernen die jungen Zuschauer von Anfang an einen selektiven, nach Themen und Tageszeiten geordneten, Umgang mit den Medien Fernsehen - hier sorgen wir für Ausschaltimpulse - als auch online: Auf www.kikaninchen.de kann über einen Webwecker eine Nutzungszeit von maximal 30 Minuten eingestellt werden.

textintern Welche Bedeutung hat die Zielgruppe der Vorschulkinder für die Anbieter von Kinderprogrammen?

Kottkamp Der Kinderkanal von ARD und ZDF wurde für die Zielgruppe der drei- bis dreizehnjährigen Kinder geschaffen. Die Drei- bis Sechsjährigen machen also ein Drittel unserer Zielgruppe aus. Wenn Medienanfänger fernsehen, dann sollten gerade sie ein Programm nutzen, das bestens für sie geeignet ist. Wenn sie online gehen, dann bitte auf einer Website, die ihnen einen Schutzraum bietet. 
Computer und Internet sind Technologien, die Kinder in ihrer Handhabung beherrschen müssen, um später in Schule und Beruf erfolgreich bestehen zu können. Als öffentlich-rechtlicher Kindersender, der als solcher einen Bildungsauftrag hat und Medienkompetenz fördert, sind wir hier in einer besonderen Verantwortung gerade gegenüber den Jüngsten in unserer Gesellschaft. Wir müssen ihnen bei ihren ersten Versuchen im Umgang mit Medien, und damit auch den digitalen, zur Seite stehen. Darüber hinaus spielen die Ausbildung von Sprach- und Lesekompetenz und die Schulung motorischer Fähigkeiten eine zentrale Rolle, die ihnen den Zugang zur digitalen Welt überhaupt erst ermöglichen.
Mit unserem multimedialen Vorschulangebot KiKANiNCHEN schafft der Kinderkanal von ARD und ZDF beste Orientierung. Eltern und Kinder können sicher sein, dass bei KiKANiNCHEN nur solche Programme laufen, die tatsächlich für junge Kinder geeignet sind – und das zu verlässlichen Zeiten. Und bei kikaninchen.de unternehmen Drei- bis Sechsjährige ihre ersten Schritte am Computer und im Internet. Die Spiel- und Lernangebote orientieren sich eng an den Fähigkeiten und Bedürfnissen von Vorschülern. Fernsehinhalte der KiKANiNCHEN-Vorschulwelt werden hier vertieft und weiterentwickelt.
Als erweiterte Zielgruppe von www.kikaninchen.de beziehen wir die Eltern übrigens mit ein, da sie die Mediennutzung ihrer Kinder maßgeblich bestimmen, sie bei ihren ersten Schritten am Computer unterstützen und begleiten. Und auch Pädagogen bieten wir jede Menge fachliche Informationen und sogar eine e-learning-Kurs zum Thema Medienkompetenzförderung an.

textintern Was zeichnet ein gutes Programm für die Zielgruppe aus?

Kottkamp Fernsehanfänger sehen anders fern als Erwachsene. Sie können noch nicht unterscheiden zwischen der Realität, die sie umgibt, und der „gemachten“ Welt, die sie auf den Bildschirmen sehen. Deshalb schauen sie mitunter auch dahinter: Wie die Leute in den Kasten wohl reingekommen sind?!
Wer weiß, wie Kinder fernsehen, kennt auch ihre Anforderungen an ein Programm, das sie unterhält und spielerisch fördert. Kinder sind gerne aktiv. Auch vor dem Bildschirm. Und sie sind schnell überfordert: Durch die Sprache, zu komplizierte Erzählstränge oder Dinge, die ihnen Angst machen. Doch im Fernsehen gibt es auch viel zu entdecken.
Qualität wird bei KiKA groß geschrieben. Dies trifft auf alle Programme zu, die bei KiKA zu sehen sind, aber besonders auf den sensiblen Vorschulbereich. Die Abenteuer von Kikaninchen und Christian sind ein aufwändig produziertes und wissenschaftlich begleitetes Vorschulprogramm, dem die oben genannten entwicklungspsychologischen Erkenntnisse zu Grunde liegen. Das öffentlich-rechtliche Kinderprogramm hat in diesem Bereich eine lange Tradition (vgl. Sesamstraße, Siebenstein, Die Sendung mit der Maus).
Die KiKANiNCHEN-Programme sollen Kinder vor allem unterhalten. Immer wieder schaffen sie dabei Lernanlässe: Sie vermitteln Wissen, animieren zum Mitmachen, regen zum Basteln an, zeigen Tiere, Pflanzen und Länder, die man sonst so kaum zu Gesicht bekäme. Und es darf auch gelacht werden. Wenn Kikaninchen und Christian beim Spielen auch unterschiedlicher Meinung sind, sich aber dann wieder verstehen, vermitteln sie Kindern soziale Kompetenz.
Doch kein Programm kann so gut sein, dass es persönliche Bezugspersonen ersetzt, die sich auf den Entwicklungsstand und die individuellen Bedürfnisse des Kindes einstellen können.
Viele Pädagogen und Medienwissenschaftler plädieren heute für eine „Medienerziehung von Anfang an“. Bereits jüngste Kinder sollen lernen, dass ein Fernseher nicht nur einen Einschalt-, sondern immer auch einen Ausschaltknopf hat. Und dass nicht alles, was sie auf dem Bildschirm sehen, für sie geeignet ist. Ob und wie viel Zeit Kinder mit Medien verbringen sollten, müssen letztendlich die Eltern entscheiden. Pädagogen und Kinderfernsehmacher sind sich aber einig: Mehr als ein halbe Stunde sollte es bei Vorschülern nicht sein.